24.April 2021

Abschied von Conny Vry

Traurige Nachricht. Soeben erfahre ich vom Tod von Conny Vry. Er verstarb gestern, am 23. April 2021 im Alter von 90 Jahren. Conny Vry inspirierte zum Titel "Nüchtern gut leben". Über 30 Jahre (wohl um die 50 Jahre, lt. Info 28.04.21) trockener Alkoholiker und ehemaliger Therapeut der Paracelsus Wiehengebirgsklinik in Bad Essen, liess er nicht locker, seiner Berufung zu folgen und andere Alkoholiker für abstinentes und nüchternes Leben zu begeistern. Krankheiten und Einschränkungen hinderten ihn nicht, so lange wie möglich jede Woche nach Bad Essen zu kommen, um eine Selbsthilfegruppe und eine Indikativgruppe "Rückfallprävention" zu leiten. Zuletzt liess er sich fahren, weil sein Augenlicht für das Auto fahren nicht mehr reichte. Mit aller Unvollkommenheit genoß er sein Leben - gelebte "Spiritualität der Unvollkommenheit". Geborgen und getragen im christlichen Glauben strahlte er Kraft und Lebendigkeit aus - auch wenn manchem seine klare Sprache zu deutlich war. Viele fühlten sich von ihm angesteckt zu fröhlichem abstinent sein. Er half, die eigene Abhängigkeit schnörkelfrei zu akzeptieren und praktische Lösungen für gutes nüchternes Leben zu finden. Und in herzlicher Annäherung, eine Umarmung nicht scheuend, sprach er immer wieder väterlich Mut zu.
 

 

 

Zum Abschied aus der Paracelsus Wiehengebirgsklinik, 14 Tage vor seinem 85. Geburtstag, schrieb ich ihm: "Du hast gezeigt, auch wenn nicht alles gut ist, läßt sich nüchtern gut leben." Daraus enstand der Titel für eine von mir geleitete Indikationsgruppe: "Nüchtern gut leben", die schließlich im Konzept "Nüchtern gut leben - Die Heldenreise der Abstinenz" mündete.
Danke Conny Vry!
Schön, Dich kennengelernt zu haben.
Jürgen Behring
Die Fotos zeigen ihn bei seiner Verabschiedung aus der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik Bad Essen 2015.

 

 

 

Formularende

 

"Radikale Akzeptanz" - ein zentraler Begriff, wenn es um die Bewältigung von Schicksal geht. Marsha Linehan hat ihn geprägt. Sie stieß auf ihn in einer Studie über Fähigkeiten/Resilienz, die jüdische Holocaustüberlebende zeigten, die nicht an ihrem Schicksal verrückt geworden sind. Ich durfte Marsha Linehan 2009 kennenlernen auf einem Zen-Sesshin für Psychotherapeuten, das sie gemeinsam mit Willigis Jäger leitete.

Auch sie eine "Heldin": sie outete sich schließlich mit ihrem Hintergrund einer "Borderline-Diagnose":

 

 

Marsha Linehan, Begründerin der DBT, bekennt sich zu eigener Erkrankung

 

 

Marsha Linehan hat die Dialektisch Behaviorale Therapie der Borderline- Persönlichkeitsstörungen (DBT) entwickelt, um Menschen zu helfen, die mit den damals üblichen Therapien nur schwer erreichbar waren. Sie war eine der ersten, die Achtsamkeit zur Grundlage ihrer Therapie gemacht hat: nicht  nur  Klienten, sondern auch Therapeuten  müssen Achtsamkeit erlernen und praktizieren. Die DBT konnte zeigen, dass Borderline-Klienten nicht "untherapierbar" sind, sondern dass ihre Bedürfnisse in der Therapie meist nicht genügend verstanden und erfüllt wurden. Linehan fordert, dass der Therapeut den Klienten so akzeptiert, wie er jetzt im Augenblick ist, dass er sich also nicht zuerst ändern muss, um akzeptiert zu werden. Die Therapie müsse Hoffnung vermitteln, dass  jeder Mensch die Ressourcen hat, ein zufriedenes Leben zu führen, und dass man die dazu notwendigen Fähigkeiten lernen kann. Diese Fähigkeiten stehen im Zentrum der Therapie – mit dem Ziel, dass der Patient neue und befriedigendere Erfahrungen machen kann.

 

Neben ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre hat Marsha Linehan die therapeutische Arbeit mit Klienten nie aufgegeben. Sie ist eine warmherzige und empathische Therapeutin und verkörpert in hohem Maße die Eigenschaften, die sie als die beiden Säulen der Therapie bezeichnet:

 

"Compassion"/tiefes Mitgefühl und "Wisdom"/intuitives Wissen, das sich aus dem Zusammenwirken von Gefühl und Verstand ergibt, um die richtigen Mittel zur richtigen Zeit einzusetzen.

 

Am 23.6.2011 hat sich Marsha Linehan in einem Interview der New York Times zu ihrer eigenen Geschichte als psychisch Erkrankte bekannt: Mit 17 sei sie als „schizophren“ diagnostiziert worden – das war vor 51 Jahren; doch aus heutiger Sicht sei die Borderline-Diagnose richtiger. "I was in hell". Die Basis ihrer Theorie – radikale Selbst-Akzeptanz – hat sie sich mühsam selbst erkämpft. Auf die Frage, warum sie sich jetzt outet, antwortet sie: "So many people have begged me to come forward, and I just thought – well, I have to do this. I owe it to them. I cannot die a coward". (Sie möchte anderen Mutmachen; sie schulde es denen, die ähnliches durchgemacht haben; sie möchte nicht sterben, ohne sich erklärt zu haben.)

 

Marsha Linehan erweist sich mit ihrem Outing als Pionierin der EXperienced-INvolvement-Bewegung.

 

Marlies Busch, Thomas Bock

 

gefunden: http://www.irremenschlich.de/aktuell/83-marsha-linehan-begruenderin-der-dbt-bekennt-sich-zu-eigener-erkrankung

 

24.02.2017

 


 

Hier schon mal gute Grundlagen zu den Archetypen nach ZIPAT:

 

https://www.sein.de/maennerarbeit-die-7-archetypen-der-seele/