„Ich finde es schön, dem „Weg“, den hier jeder macht, einen so hoffnungsvollen Namen gegeben zu haben. Danke dafür!“

Rückmeldung eines Patienten aus der Männergruppe "Nüchtern gut leben - Die Heldenreise der Abstinenz"

(stationäre Entwöhnungsbehandlung Barbarossa-Klinik Kelbra)


Nüchtern gut leben - Bausteine, Ideen, Grundgedanken ...

Bausteine, Ideen, Grundgedanken ...

 

2015 entstand in einer kreativen Lebensphase zunächst ein Indikativgruppenprogramm zur Stärkung von Abstinenzmotivation und Bewältigungszuversicht.

Insgesamt offenbarten sich für den Autor Jürgen Behring verschiedene Elemente zu einem Konzept von "Nüchtern gut leben - Die Heldenreise der Abstinenz".

Dazu gehören fruchtbare therapeutische Konzepte aus dem therapeutischen Erfahrungsschatz wie Therapeutische Intensivtage oder - wochen, aber auch therapeutische Elemente, die besondere Schritte darstellten oder für ein bestimmtes "phänomenologisches" Erleben stehen, wie Alterskreis, Namenskreis, Stille, Rituale, Aufstellungen Musik.

 

Wichtige Bausteine sind auch die Einbettung von Zitaten, Geschichten, meditativen Texten,  Musik und ggf. Tanz.

Hintergrund ist der persönliche und therapeutische Werdegang des Autors Jürgen Behring. Er ist geprägt von  über 20 Jahren Tätigkeit als Suchttherapeut vor allem im klinischen Rahmen (Kliniken für Entwöhnungsbehandlung) und lebenslangem Interesse für Genesung, Sinn und persönliche Weiterentwicklung. Prozesse von persönlicher und beruflicher Veränderung waren für ihn prägend.
Prägend waren vor allem auch die Verbundenheit mit Therapeuten und Gemeinschaft aus dem Bad Herrenalber Umfeld und 12-Schritte Gruppen, systemisches Denken verschiedene Formen von Männerarbeit und -therapie.
Das Ideenkonzept ist vor allem auch eine persönliche Fortsetzung der durch Rainer Koch geprägten Arbeit im ca. 2012 geschlossenen Männertherapiezentrum Fachklinik Flammersfeld (Westerwald). Dort wurden die "Vater und Sohn Wochen" entwickelt.
 Schließlich entspricht der Geist des Konzeptes einer "Spiritualität der Unvollkommenheit", ein schöner Begriff, geprägt von Kurtz/Ketcham in ihrem Buch über den Geist der anonymen Selbsthilfebewegung. Letztlich sind wir Menschen, die mit ihrer Unvollkommenheit das Leben zu bewältigen haben.

So bleiben auch der Autor und das Konzept unvollkommen. Es reicht die Freude, eigene Gedanken in ein stimmiges Bild mit gelungener Praxis umgesetzt zu haben.

 

Unten sind ein paar Beispiele der Umsetzung.


Beispiele:

 

„Nüchtern gut leben“

 

Ein Indikativgruppenkonzept zur Stärkung von Abstinenzmotivation und Bewältigungszuversicht

(siehe auch hier)

 

In der Suchttherapie ist das Konzept der „Zufriedenen Abstinenz“ weit verbreitet. Für mich klingt es rein sprachlich schon immer sehr trocken und vernünftig. In meiner langjährigen Erfahrung in der stationären Entwöhnungsbehandlung erlebte ich immer wieder, dass das formale Sammeln von „Vorteilen“ und „Nachteilen“ der Abstinenz Patienten nur bedingt emotional tiefer erreichte.  Hilfreich schien es immer, wenn es gelang, Patienten mit der eigenen Ambivalenz, den eigenen (psychodynamischen) Konflikten und den Zweifeln – sprich der mangelnden Bewältigungszuversicht – in die eigene, emotionale Auseinandersetzung zu bringen. Und in die Auseinandersetzung mit den Fragen „Was brauche ich wirklich?“ – insbesondere über die psychoedukative Auseinandersetzung mit der „Bedürfnispyramide“ (Maslow) hinaus.

 

Immer wieder erlebte ich, dass Patienten sehr von langjährig abstinenten, „gestandenen“ Suchtkranken profitierten – und auch von Therapiewiederholern, die oft genug von ihrer Selbstüberschätzung und Oberflächlichkeit in der ersten Therapie berichteten. Die konnten einen „Geschmack“ vom Gelingen und „Scheitern“ vermitteln.

 

Conny Vry, ein 2015 85 Jahre alter, langjährig trockener Alkoholiker und Therapeut in der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik Bad Essen, war ein Praktiker, der Klartext reden konnte. Mit Phasen von Krankheit und Beeinträchtigung kam er bis Mai 2015 noch fast jede Woche in die Klinik um aus der Praxis abstinenter Lebensbewältigung zu berichten. Und: er gewann „Fans“ und stieß auf Kritik bei anderen Patienten, denen seine klare Sprache zu hart war. Als ich ihm zum Abschied eine Karte schrieb, fasste ich zum Schluss sinngemäß so zusammen, was für mich seine Faszination und Wirkung ausmachte: „Conny, Du hast den Patienten vermittelt, dass man abstinent gut leben kann, auch wenn nicht immer alles gut ist.“

 

Der Titel für die Entwicklung einer Indikationsgruppe war für mich geboren: „Nüchtern gut leben“. Eine von mir geleitete Übergangs-Indikationsgruppe wurde so für mich zu einer Inspiration, ein Konzept zu entwickeln. Ich sammelte erste Themen und in Anlehnung an das Konzept des Programms Trauma und Sucht „Sicherheit finden“ von Lisa Najevits arbeitete ich mit Zitaten und Grundthemen. Dabei wurde für mich immer deutlicher, dass es um „Seelenthemen“ ging. Sie sind mir aus verschiedenen Hintergründen vertraut:

 

-              aus der OPD-Konfliktdiagnostik (Operationalisierte psychodynamische Diagnostik),

 

-              den von Klaus Grawe und von Dr. Konrad Stauss um „Spiritualität“ erweiterten psychosozialen Grundbedürfnissen , sowie

 

-              den Archetypen nach C.G. Jung, sowie in der mir vertrauten Initiatisch-Phänomenologischen Arbeit und Therapie (ZIPAT W.Mauckner).

 

Ein erster Entwurf für 6 Themen entstand:

 

  1. Kapitulation – Von der Freiheit nicht mehr trinken zu müssen.

  2. Gute 24 Stunden – „Nur für Heute“ gut leben.

  3. Scham und Schuld - Stolz und Würde: Abstinenz als Wert.

  4. „Abstinenz füttern“ – Die Geschichte „Zwei Wölfe“

  5. „Abstinenz – Klasse!“  Was uns der Witz von Klein Fritzchen sagen will

  6. „Sucht – Sinn – Spiritualität: Von der zufriedenen zur erfüllten Abstinenz“

(Erste Beschreibung 2015)

 

„Nüchtern gut leben – Männergruppe“

 Die Heldenreise der Abstinenz

(Infoblatt für Patienten 

der Barbarossa-Klinik Kelbra)

(Themen siehe: hier)

 

Ist ein Mann mit der Suchterkrankung konfrontiert, kann er nicht mehr davon laufen. Er muss sich Fragen stellen, angefangen mit „Bin ich wirklich süchtig?“ Und wenn er es ist, lässt es sich damit noch gut leben? Unzählige Süchtige habe bewiesen: Auch wenn nicht alles gut ist, lässt es sich dennoch „Nüchtern gut leben“ -  insbesondere als Mann!

 

Suchtmittel haben für Männer ganz viel mit Mann sein zu tun: das heimliche Rauchen der ersten Zigarette, das erste oft heimliche Trinken, die ersten Saufgelage oder das Ausprobieren der spannenden „gefährlichen“ und „verbotenen“ Drogen. Oft genug dient der Drogenkonsum dazu, sich als „ganzer Kerl“ zu beweisen: was abkönnen, viel vertragen, durch die Drogen mutig, leistungsfähig zu sein – und sei es durchfeiern zu können. Und natürlich auch: auszuhalten und zu verdrängen,  was an bedrohlichen Gefühlen hochkommen könnte, was peinlich sein könnte.

 

So ist es gut, sich unter Männern den Themen zu stellen, die anstehen beim Weg aus der Sucht. Themen, die Mut brauchen, Themen die letztlich den Mann zum ganzen Mann – zum „Helden“ machen. So versteht die Gruppe „Nüchtern gut leben“ die Sucht nicht nur als Krankheit, sondern als Chance, durch die Bewältigung etwas zu gewinnen, was vorher nicht vorstellbar war: mit seinem Leben in all seinen Möglichkeiten und seinen Grenzen zufrieden zu sein: „Nüchtern gut leben“. So soll die Gruppe helfen, die  Abstinenzentscheidung zu klären und zu vertiefen, Mut und Zuversicht zu gewinnen für ein drogenfreies Leben, Ideen für die Stärkung der Abstinenz zu gewinnen und vor allem: sich nüchtern gut zu fühlen – als Mann.

 

Bis zu zwölf Themen werden in lockerer Form besprochen. Hilfreich sind dabei u.a. Zitate, Geschichten, Musik und mehr. So geht es z.B. um „Freiheit und Ohnmacht“: „Kapitulation – Freiheit von der Macht der Drogen“, oder „Nur für heute nüchtern  gut leben“ – „Kann ich heute gut leben und mir etwas vornehmen…“ ,  „Wie meine Erfahrung mit Vater mich geprägt hat“ oder „Abstinenz füttern“ – den guten „Krieger“ entwickeln und sein Ziel verfolgen. Die Themen orientieren sich u.a. an dem uralten Bild der „Heldenreise“; denn immer schon gab es ganz besondere Menschen, die „Lebensaufgaben“ bewältigt haben – und gerade dadurch zum „Helden“ wurden. Auch Sie haben dazu die Chance: durch die Bewältigung der Sucht.

 


Vater&Sohn Wochen

im Männertherapiezentrum Flammersfeld (2009-2010)

 

Lange her und doch einst bewegender und wirksamer Baustein im Therapieverlauf: Intensivtage unter dem Schwerpunkt "Mein Vater und ich".

In ritualisierter Form wurde in 4 Tagen die Beziehung zum eigenen Vater thematisiert mit erlebnisaktivierenden Elementen.

Das Konzept, von Jürgen Behring für eine Präsentation im Arbeitskreis "Männer und Sucht" des Landschaftsverbandes Rheinland verfasst, fand dort nachhaltige Resonanz.

Sie finden es hier.

 


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Das erste Buch zur Initiatisch-Phänomenologischen Arbeit und Therapie von ZIPAT u.a. mit der Aufbereitung der Archetypen für die Männerarbeit. Grundlage für "Nüchtern gut leben - Die Heldenreise der Abstinenz"

Foto aus dem Männerprojekt

Fest der Nüchternheit

(siehe auch hier)

 

Warum nicht einmal Fortschritte auf dem Weg der Abstinenz würdigen und feiern?

Ein besonderes Erlebnis war das "Fest der Nüchternheit" am 18.06.2015 mit den Patienten der Smaragdgruppe in der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik, Bad Essen.

Mit persönlichen Bilanzen, kleinen Reden, Würdigungen der Therapiefortschritte eines jeden Gruppenmitgliedes, Zertifikaten der Nüchternheit und: festlichem Mittagessen und Kaffee und Kuchen zum Schluss.

(Und die Gruppe entwickelte selbständig das Plakat, gemalt von einer Patientin)

"Engel der Nüchternheit"

Geschenk einer Patientin


Zitate...

Anstöße um Nachsinnen.

 

„Der Beweis von Heldentum liegt nicht im Gewinnen einer Schlacht,

sondern im Ertragen einer Niederlage.“

 

David Lloyd George,

 

17.01.1863 - 26.03.1945, 

 

Earl of Dwyfor, engl. Staatsmann

 


 

„Ich weiß nicht,

 

ob es besser wird,

 

wenn es anders wird.

 

Aber es muss anders werden,

 

wenn es besser werden soll.“

 

Georg Christoph Lichtenberg

 

  


Texte, Geschichten ...und Witze

 

Klein Fritzchen

 

(Geschichte zum Thema "Abstinenz - Klasse!"

 

In der Schule fragt die Lehrerin die Schüler nach ihren Berufswünschen. Kommt Klein Fritzchen an die Reihe. „Was willst Du denn später mal werden?“ Kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort: „Alkoholiker!“ Entgegnet die überraschte Lehrerin: „Aber Klein Fritzchen, wie kommst Du denn darauf?“ Klein Fritzchen: „Seitdem mein Papa sagt, er sei Alkoholiker, trinkt er nicht mehr und es sind bei uns immer so freundliche Menschen zu Besuch“, weist Peter auf die Zeit der Nüchternheit seines Vaters hin. „Jetzt ist es wieder ganz schön zu Hause.“

 


Rainer Biesinger -Der "Heavy-Metal-Coach

wiederholt Gast in der Barbarossa-Klinik Kelbra.

Auch ein "Held", der aus der Sucht wie ein Phönix aus der Asche aufstieg.

http://www.rainer-biesinger.de/


 

 

http://www.uli-borowka.de/

 

Ein ehemalige Fußballer Alkoholiker? Uli Browka geht auch offen mit seiner Geschichte um und begeistert Menschen für die Abstinenz.



"Hänschen klein - auch ein Held?"

Der Weg hinaus in die Welt und die Bewältigung von Gefahren und Lebensaufgaben gehören zum Weg der Erwachsenwerdens. Deshalb möchte auch "Hänschen klein" hinaus in die Welt und auf seine Heldenreise.... Darf er gehen und Hans werden? Was muss er bewältigen um ein Hans - Held zu werden? Oder schlicht und einfach: "erwachsen".

 

Mehr zum Thema hier.


 

"Nüchtern leben, gutes Leben"

 

Deutsches Sprichwort

 

https://www.aphorismen.de/zitat/65797